Feedback! Basis für das Lösen komplexer Aufgaben

"Ich weiß nicht, was ich gesagt habe, bevor ich die Antwort meines Gegenüber gehört habe." - Paul Watzlawick

Häufig sind Software- und Produktentwicklungen ein komplexes Vorhaben. Während der Arbeit werden dabei sowohl das Problem, das wir lösen möchten, als auch die optimale Lösung aus dem hervorgehen, was wir während der Entwicklung gelernt haben. Ein grundlegender Bestandteil aller Lern- und Orientierungsprozesse ist das Feedback. Feedback ist notwendige Voraussetzung, um komplexe Aufgaben zu lösen. Das Scrum Framework bietet dafür die optimale Umgebung, innerhalb derer sich ein Team durch Feedback selbst organisieren und weiterentwickeln kann, um eine komplexe Aufgabe mithilfe eines empirischen Ansatzes zu lösen. Weitere agile Ansätze ergänzen sich gut mit Scrum und bieten weitere Feedback-Schleifen wie z.B. das Pair Programming und das automatisierte Testen.

Weil Feedback für uns, unsere Arbeit und persönliche Entwicklung so bedeutend ist, und weil ich häufig beobachte, dass sich meine Kunden und Menschen allgemein schwer damit tun (inklusive meiner selbst), möchte ich heute meine nächste Blog-Serie dem Thema Feedback widmen, um meine Erfahrungen und Recherchen zu dem Thema mit euch zu teilen.

Was ist Feedback und warum brauchen wir es?

Der Begriff Feedback (engl.: zurückleiten) entstammt ursprünglich der Kybernetik (Lehre der Steuerungs- und Regelungsvorgänge). Er bedeutet so viel wie Rückkoppelung. Im sozialpsychologischen Kontext wird er häufig im Sinne von Rückmeldung auf das Verhalten anderer benutzt.

Die meisten von uns begreifen Feedback als eine zeitlich begrenzte Gesprächsform, um anderen etwas darüber zu sagen, wie ich sie sehe oder um selbst zu erfahren, wie andere mich sehen. Folgen wir jedoch dem Zitat von Paul Watzlawick, dann ist Feedback mehr als nur eine Gesprächsform. Feedback ist viel mehr ein innerer Bestandteil jeder Kommunikation. Feedback ist ein Grundmechanismus des Lernens und somit der natürlichen Entwicklung schlechthin.

Bevor ich mich den einzelnen Facetten des Feedback-Gesprächs zuwende, und wir dessen Formen, Einflüsse und Auswirkungen betrachten, möchte ich in diesem Blog mit euch den natürlichen Ursprung des Feedbacks betrachten. Ich bin davon überzeugt, dass dieser Blick uns allen hilft, den Sinn und Zweck des Feedbacks besser zu verstehen und zukünftigem Feedback gegenüber aufgeschlossener zu sein. Je aufgeschlossener wir Feedback gegenüber sind und danach streben, dieses anzunehmen und verstehen zu wollen, desto eher entwickeln wir uns weiter. Wenn wir lernen, Feedback effektiv zu verarbeiten, sind unserer persönlichen Entwicklung, unserer gemeinsamen Entwicklung als (Scrum) Team, Organisation und Gesellschaft kaum Grenzen gesetzt.

Wenn ich niemals Feedback bekommen hätte, würde ich jetzt nicht hier sitzen und diesen Blog schreiben. Und Ihr würdet diesen Blog nicht lesen können. Denn wir lernen durch das was wir tun und dessen Konsequenzen, die wir von unserer Umwelt als Feedback (Reaktion, Rückmeldung, Rückkoppelung etc.) bekommen. Schon als Baby sind wir darauf angewiesen, dass unsere Schreie (Feedback) von anderen verstanden werden und das Nötige tun, um Nahrung, Wärme oder Zuwendung zu bekommen. Babys beruhigen sich und hören auf zu schreien, wenn Eltern das richtige tun. Auch das ist Feedback.

Sprachforscher wie Kathleen Wermke fanden heraus, dass Babys einen Wunsch, eine unangenehme Stimmung oder Schmerzen kundtun, indem sie unterschiedliche Laute schreien und damit unterschiedliches meinen. Sie verändern intuitiv ihre Melodien und die Intensität ihres Schreiens. So entstehen verschiedene Ausdrucksweisen. Ihr Kind schreit anders, wenn es Schmerzen hat, als wenn es Hunger hat oder einfach „nur“ müde ist oder Ihre Nähe sucht. Das Schreien ist die früheste akustische Form der Kommunikation und damit auch des Feedbacks, eine erste Vorstufe zum Sprechen und zur späteren Sprache.

Umgekehrt erfassen Babys intuitiv die Stimmen und Stimmungen ihrer Umgebung. Klingen Mutter oder Vater fröhlich, gespannt oder gar zornig? Auch verschiedene Sprachen können Neugeborene an Rhythmus und Sprachmelodie erkennen. Schon als Baby und Heranwachsender bekommen und nutzen wir ständig die Rückmeldung unserer Umgebung. Wenn ich lache, lacht die Mama zurück. Wenn ich den Hund am Schwanz ziehe, knurrt er. Wenn ich jemand anderen haue, haut einer zurück. Als kleiner Mensch experimentieren wir mit unserer Umwelt und lernen durch das Feedback, was richtig und falsch ist, was uns weiter bringt und was uns blockiert. Das sichert uns das Überleben. Durch Feedback lernen wir überhaupt erst, zu sein und uns selbst zu erkennen und uns von der Welt abzugrenzen. Feedback formt uns als Person.

Jeder Mensch wird dabei unterschiedlich geprägt, abhängig davon wo, wie und mit wem er seine Erfahrungen macht, die uns prägen. Das bedeutet auch, dass jeder von uns seinen speziellen, an seine Umwelt angepassten Charakter entwickelt, der sich durch unsere persönlichen Verhaltensmuster und Erfahrungen definiert und die unser Denken, Empfinden und Handeln bestimmen.

Jane Goodall fand heraus, dass Schimpansenmütter ihren Kindern leicht in die Hand beißen, wenn sie damit aufhören sollen, etwas störendes zu tun. Über dieses Feedback lernen kleine Schimpansen, was sie besser sein lassen sollten. Darüber hinaus fand sie durch ihre langjährigen Beobachtungen heraus, dass Affen, deren Mütter nicht in der Lage waren, mit diesem Feedback Grenzen aufzuzeigen, später in der Gruppe häufiger Probleme haben als jene Affen, deren Mütter dazu in der Lage waren. Und für ihre Affenliebe bekannten Affenmütter zeigen ihrem Nachwuchs mehrmals täglich, dass sie es lieben und dass sie für das Affenkind da sind. In diesem Kontext hat ein zarter Biss nur orientierende Wirkung, die Grundbeziehung bleibt vertrauensvoll und stabil.

Ähnlich verhält es sich bei uns Menschen. In einer vertrauensvollen, von Akzeptanz und Wertschätzung geprägten Beziehung gibt uns Feedback die Orientierung und Unterstützung, es fördert unsere Entwicklung konstruktiv. Destruktives Feedback führt tendenziell zu eher destruktiven Charakteren, die dauerhaft negative, abschätzige oder genervte Rückmeldungen erhalten. Natürlich sind wir dazu in der Lage, uns von negativem Feedback zu emanzipieren. Sehr wahrscheinlich braucht es dazu von Wertschätzung und Akzeptanz getragenes, konstruktives Feedback von Außen.

Fazit: Lasst uns Feedback gegenüber aufgeschlossener sein

Wenn uns jemand Rückmeldung gibt, dann versetzen wir uns am besten in dessen Lage und die Rolle des Feedback-Gebers. Lehnen wir negatives Feedback nicht sofort ab - selbst wenn es von einer Person stammt, die wir nicht ausstehen können. Denken wir über deren Perspektive nach. Überlegen wir erst mal, wie sich unsere Rollen und Beziehung auf das Feedback auswirken und wie wir uns auf das Feedback bezogen fühlen. Denken wir schließlich daran, dass es sich nur um eine Person handelt, die uns Feedback gibt. Wir müssen unser gesamtes Leben aufgrund des Feedbacks einer Person nicht erneut bewerten.

In den nächsten Artikel zum Thema Feedback möchte ich mit euch teilen,

  • welche Formen von Feedback es gibt;
  • wie wir Feedback bewusst geben und annehmen können;
  • dass die Art und Weise, wie wir bestimmte Rückmeldungen empfangen, von unseren Genen mit bestimmt wird;
  • warum wir alle glauben, dass wir zu den Top-Mitarbeitern und Top-Managern gehören;
  • welche Rolle unser Rolle im Team und Unternehmen dabei spielt; und
  • wie schlechtes Feedback eine Beziehung ruinieren kann.

Über die Reihenfolge habe ich noch nicht entschieden. Lassen wir uns also überraschen, welche Facette der nächste Blog behandeln wird. Ich freue mich natürlich auch über euer Feedback und eure Ideen dazu.

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