Dysfunktionen von Teams - 5

Fehlende Ergebnisorientierung - Die fünfte Funktionsstörung eines Teams

Die ultimative Funktionsstörung eines Teams ist die Tendenz der Mitglieder, sich um etwas anderes als die gemeinsamen Ziele des Teams zu kümmern. Die Teammitglieder stellen ihren persönlichen Verdienst über den gemeinsamen Erfolg des Teams.

Dieses Verhalten ergibt sich aus der ihr zugrunde liegenden Gewohnheit, seine persönlichen Interessen und Verdienste über Teaminteressen und -erfolge zu stellen. Dies geschieht unter der Annahme, selbst einen besseren Job zu leisten als die Anderen, wobei der Blick auf eigene Schwächen und Misserfolge eher verklärt ist. Einige Unternehmen behindern auch noch die hohe Leistung ihrer Teams, indem sie Ziel und Bonussystem etablieren, mit denen die individuelle Leistung des einzelnen Mitarbeiters über die Leistung von Teams gestellt und gefördert wird. Die Verfolgung individueller Ziele und der Aufbau von persönlichem Status erodiert den Fokus auf kollektive Höchstleistung und damit den Erfolg eines Scrum Teams. In einem funktionierenden und erfolgreichen Scrum Team sind die kollektiven Ergebnisse der Gruppe für jeden Einzelnen wichtiger als seine persönlichen Ziele.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Teams, die unter Funktionsstörungen leiden, übermäßig viel Zeit und Energie verschwenden, um ihre Verhaltensweisen und Interaktionen innerhalb der Gruppe zu verwalten. Sie neigen dazu, Besprechungen als etwas negatives zu empfinden, und sie zögern, Risiken einzugehen sowie Hilfe bei Anderen aktiv nachzufragen oder Anderen anzubieten. In durch Misstrauen fehlgeleiteten Teams ist die Moral in der Regel sehr gering, und unerwünschte Personalwechsel sind hoch.

Lassen Sie mich das Kapitel der fünf Funktionsstörungen eines Teams mit einem Zitat schließen, welches ich in einer Zusammenfassung von Patrick Lencioni’s Buch "Die fünf Funktionsstörungen eines Teams" gefunden habe (frei übersetzt aus dem Englischen): “Bei der erfolgreichen Teamarbeit geht es nicht darum, subtile, ausgefeilte Theorien zu meistern, sondern darum, einen gesunden Menschenverstand mit außergewöhnlichem Maß an Disziplin und Beharrlichkeit zu kombinieren. Ironischerweise sind erfolgreiche Teams erfolgreich, gerade weil sie sehr menschlich sind. Durch Anerkennung ihrer menschlichen Unzulänglichkeiten, überwinden die Mitglieder funktionaler Teams ihre natürlichen Neigungen, die erfolgreiche Teamarbeit so schwer machen.”

Überwinden Sie die Unaufmerksamkeit gegenüber Ergebnissen

Ein Team kümmert sich darum, dass seine Aufmerksamkeit auf die zu liefernden Ergebnisse (Ziele) fokussiert ist, indem es seine Ziele verdeutlicht und für jeden transparent macht und nur jene Verhaltensweisen und Handlungen belohnt, die zum gewünschten Ergebnis beitragen. Ein Team, das sich öffentlich (transparent) zur Erreichung seiner Ziele verpflichtet und mit Passion und Leidenschaft daran arbeitet, wird eher bereit sein diese Ergebnisse zu liefern. Ein effektiver Weg um sicher zu stellen dass Teammitglieder ihre Aufmerksamkeit auf konkrete Ergebnisse fokussieren ist, die kollektive Belohnung und Bezahlung an bestimmte Ergebnisse zu koppeln, die das Team als Ganzes erreicht.

Vielleicht mehr als bei den anderen Dysfunktionen muss die Führungskraft den Tonus konsequent festlegen, und zwar auf die Zielorientierung. Die Führungskraft muss ihre Erwartungen konsequent auf kollektive Zielerreichung fokussieren.

Wenn Teammitglieder spüren, dass ihre Führungskraft irgendetwas anderes als kollektive Ergebnisse bewertet, werden sie das als Erlaubnis verstehen, dasselbe für sich selbst zu beanspruchen. Teamleiter, Vorgesetzte und Führungskräfte müssen selbstlos und objektiv sein und Belohnungen und Anerkennung für diejenigen reservieren, die echte Beiträge zur Erreichung von Gruppenzielen leisten.

Kommen wir nun zum ganzheitlichen Vorgehen, um diese fünf Funktionsstörungen von Teams zu überwinden.

Maßnahmen zur Überwindung der 5 Funktionsstörungen

Mangelndes Engagement, fehlendes Verantwortungsbewusstsein und Ignoranz gegenüber Ergebnissen sind drei Funktionsstörungen, die von den meisten Scrum Mastern oder Managern erkannt werden. Häufig sind sie allerdings nur Symptome für die beiden zugrunde liegenden Funktionsstörungen, fehlendes Vertrauen und Angst vor Konflikten. Unbedingt erwähnt werden sollte noch, dass alle Fehlfunktionen von der Unternehmenskultur stark beeinflusst sind.

Scrum Master und Manager, die mit den fünf Funktionsstörungen eines Teams nicht vertraut sind, neigen dazu, sich bei ihrer Lösungsfindung auf die drei “oberflächlichen” Symptomebenen zu fokussieren, um Kollegen auf Leistung und Verhalten zu trimmen. Dies sind auch die Ebenen, auf denen der Führungsstil des “Command-and-Control” (Kommando und Kontrolle) funktioniert und seinen Einfluss entfalten kann. Allerdings führt das Command-and-Control-Verhalten in einen Teufelskreis, der das Vertrauen untergräbt. Lyssa Adkins beschreibt das Phänomen in Ihrem Buch “Coaching Agile Teams” wie folgt (frei übersetzt aus dem Englischen): “Sie trauen dem Team nicht, also sagen sie ihm, wie es seine Arbeit zu verrichten hat. Sie tun das, was sie ihnen gesagt haben, statt das zu tun, was sie tun sollten. Als Ergebnis kommt dabei etwas heraus, was nicht das ist, was sie wollten. Also sagen sie dem Team nochmal, wie es seine Arbeit zu tun hat, diesmal noch deutlicher. Und der Kreislauf läuft weiter, weiter und weiter. In diesem Zyklus verliert jeder sein Vertrauen.” Um aus dieser Negativspirale von Befehl und Kontrolle herauszukommen, müssen wir mit der Vertrauensbildung beginnen und Vertrauen in das Team ausbauen.

Natürlich kann und sollte man auch die Erwartung nach hoher Leistung ab dem ersten Tag setzen. ACHTUNG: Hochleistung zu erwarten bedeutet nicht, dass sie danach verlangen. Hochleistung zu erwarten bedeutet, dass sie an das Team glauben, dass das Team diese erreichen kann. Und sie leiten das Team dazu an, sich an dieser Erwartung zu orientieren. Viel wichtiger ist jedoch, dass sich der Scrum Master (neben der Etablierung von Scrum) zu Beginn auf Vertrauensbildung im und in das Team konzentriert, statt sich sofort auf die Leistungsfähigkeit des Team zu stürzen.

Fazit

Die größten und vielleicht schwierigsten Schritte sind die beiden ersten, mit dem Ziel, Vertrauen und eine gesunde Konfliktkultur und Lösungsorientierung aufzubauen. Diese beiden Schritte kommen meistens mit einer Veränderung der in der Organisation etablierten Kulturveränderung einher. Auf diesen beiden Ebenen scheitern die meisten Teams und Organisationen auf ihrem Weg hin zu einem hoch performanten Team und einer hoch performanten Organisation. Leider kann ein hoch-produktives Team nicht über Nacht entstehen. Es erfordert gemeinsame Erfahrungen die im Laufe der Zeit erworben werden, und mehrere Wiederholungen davon, um Glaubwürdigkeit und Nachhaltigkeit als Team zu erlangen. Und es braucht ein tiefes, gegenseitiges Verständnis für die einzigartigen Attribute seiner Teammitglieder. Doch mit einem fokussierten Ansatz und einem erfahrenen Team Coach kann ein Team seinen Entwicklungsprozess drastisch beschleunigen und die Produktivität in relativ kurzer Zeit erreichen.

Dies ist eine mögliche Agenda für Scrum Masters, Manager und Teamleiter, um die fünf Funktionsstörungen eines Teams Schritt für Schritt zu überwinden:

  1. Vertrauen in das Team aufbauen, setze Maßstäbe sowie Erwartungen für hohe Leistung;
  2. Arbeite an der Konfliktfähigkeit des Teams und begleite das Team durch Konflikte hindurch;
  3. Definiere mit dem Team das Hauptziel des Teams, das an einem definierten Tag erreicht sein soll;
  4. Das Commitment aller Teammitglieder einholen, gemeinsam und konsequent für die Erreichung des vereinbarten Ergebnisses zu arbeiten;
  5. Schaffe und verbessere kontinuierlich die Umgebung einer gesunden Organisation, in der sich alle Teammitglieder kollektiv und gegenseitig verantwortlich machen;
  6. Feiert, wenn vereinbarte Ergebnisse erzielt werden; haltet auf jeden Fall eine Retrospektive ab, um aus gemachten Fehlern (die sicher passieren) zu lernen; und dann
  7. strebe mit Deinem Team nach dem nächsten Entwicklungsziel (kontinuierliche Verbesserung)

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