Agilität: Psychische Herausforderungen durch Veränderung

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, was für mich durch meine Praxis als Arbeits- und Organisationspsychologin bereits klar war: um als Unternehmen erfolgreich agil zu sein ist ein strikter interner Paradigmenwechsel notwendig [1]. Aber was ist damit gemeint?

Ein Paradigmenwechsel bedeutet die Schaffung einer Unternehmenskultur, die zu den Grundsätzen von Agilität passt. Flache Hierarchien, Transparenz, hohe Autonomie, Kundennutzen statt Planerfüllung und Führung auf Augenhöhe zählen dabei zu den wichtigsten Faktoren. Im beruflichen Alltag zeigt sich häufig das Gegenteil: agile Methoden werden lediglich als Instrument für einzelne Abteilungen oder Teams eingeführt. Widerstände, Konflikte und massive psychische Belastung für die Betroffenen sind häufig die Konsequenz [2]. Die vorherrschenden hierarchischen Strukturen oder der grundlegende Führungsstil werden kaum bis gar nicht verändert. Was ist nun der Schlüsselfaktor, um ein Unternehmen erfolgreich in Richtung Agilität zu transformieren? Es ist zuerst der Wandel in der Unternehmenskultur, der eingeleitet werden muss, bevor Umstrukturierungen in Angriff genommen werden sollten. In dieser transformierten Arbeitsumgebung werden agile Grundsätze von der gesamten Organisation mitgetragen und gelebt.

Und genau hier ist die Begleitung durch Arbeits- und Organisationspsychologen notwendig. Bei großen Veränderungen in Unternehmen beherrschen häufig negative Emotionen wie Ängste, Unsicherheit und Kontrollverlust das Organisationsklima. Auch und vor allem auf oberster Führungsebene gibt es diese Emotionen. Hier gilt es diese rechtzeitig offenzulegen und aktiv zu bearbeiten, damit der Wandel auch von "ganz oben" authentisch mitgetragen wird und gelingen kann.

Ein konkretes Beispiel: der Autonomiegedanke bei agilen Methoden erfordert von Führungskräften, dass sie Verantwortung und Kontrolle abgeben. In meinen Beratungen erlebe ich immer wieder, dass in Organisationen, in denen Führung noch ganz klassisch mit einer Macht- und Autoritätsfunktion assoziiert ist, bei den Führungskräften zu einer gefühlten „Entmachtung“ führt, wenn diese Themen nicht im Vorfeld adressiert und bearbeitet werden.

Bevor Organisationen also in einzelnen Teams agile Methoden einführen, sollten sie sich fragen: Passen agile Werte überhaupt zu uns und wollen wir uns auf einen grundlegenden Wandel dahingehend einlassen? Wenn Sie neugierig geworden sind, selbst agil werden wollen und sich für weitere Infos interessieren, dann melden Sie sich für unsere Reihe „Unternehmen erfolgreich zu Agilität führen“ an. Organisationspsychologin Rhonda Staudner-Turin erläutert gemeinsam mit Brigitte Pfeifer-Schmöller, Agile Coach bei MPIRICS, unter Einbeziehung aktueller Fallbeispiele, worauf Sie beim Thema Agilität achten sollten und liefern Ihnen ganz konkrete Tipps und Leitfäden.



Rhonda Staudner-Turin, Arbeits- und Organisationspsychologin bei L|T Organisationsberatung, Expertin für Organisationsentwicklung und Change Management.

Zu meiner Person: Ich bin seit knapp 5 Jahren als Arbeits- und Organisationspsychologin tätig und habe in dieser Funktion schon zahlreiche Unternehmen hinsichtlich Veränderungsprozesse und Arbeitsgestaltung beraten. Mir ist eine nachhaltige und gesunde Veränderung, eben ein gesunder „Change“ in Unternehmen, sehr wichtig. Ich bündele deshalb bei meiner Tätigkeit für Unternehmen meine Fachexpertise mit jener der Unternehmensberater. So kann ich Unternehmen und ihre Menschen bei ihren Veränderungsprozessen ganzheitlich und erfolgreich begleiten. Ich sehe es als unbedingtes Muss, mein Netzwerk mit Experten aus diesem Bereich zu erweitern. Das hat mich schlussendlich auch zu dieser wertvollen Kooperation mit MPIRICS geführt.



  • [1] VGB in Kooperation mit der Fachhochschule Nordwestschweiz und der Unternehmensberatung pragmatic solutions, 2019
  • [2] Derzeit noch laufende Forschungsaktivitäten, die sich mit den Auswirkungen von agilem Arbeiten auf die Gesundheit der Beschäftigten befassen: Verbundprojekt diGAP; VGB Forschungsprojekt „Agiles Arbeiten erfolgreich und gesund gestalten“
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